Huigarte
Huigarte

Zum “huigarte” braucht es eigentlich keinen Anlass. Umso schöner, wenn man trotzdem einen hat. Feiertage wie Christi Himmelfahrt, Fronleichnam oder Maria Himmelfahrt sind solche Tage, sich zu einem gemütlichen Hock zu treffen. Bei einem Bier redet man über dies und jenes, erfährt Neuigkeiten und macht das ein oder andere Geschäft. Oder erzählt sich vielleicht alte Sagen wie die des verwegenen Wilderers aus Obertiefenbach, der mit einem Sprung über den Zwing den auflauernden Jägern entkam. Man kann sich gut vorstellen, wie es sich zugetragen haben mag:

Etliche Jäger versuchten lange Zeit vergebens, einen Wilderer zu überführen. Ihre Misserfolge brachten ihnen Hohn und Spott, so dass sie wild entschlossen waren, den gewandten und schlauen “Härzar” (Kletterer) endlich zu überführen. Sie wussten, dass er gern im Gebiet des Zwingsteges wilderte, welcher über eine grausige Schlucht führte. Sie sägten die Balken soweit an, dass sie brechen müssten, wenn jemand darüber ging. Sie umzingelten also das Gebiet und ließen ihm nur die Fluchtmöglichkeit über den Steg, damit es ein für alle Mal ein Ende mit ihm hätte. Der Wilderer hatte das Treiben der Jäger aber durchschaut. Als es soweit war, setzte er zu einem gewaltigen Sprung über den Steg an und landete unversehrt auf der anderen Seite der Schlucht, ohne einen Balken zu betreten. Die Jäger hatten das Nachsehen: nicht nur, dass sie noch mehr Hohn hatten, sie konnten den Wilderer über den kaputten Steg hinweg nicht mehr verfolgen. Außerdem mussten sie obendrein für einen neuen Steg aufkommen. Weil niemand mehr einen solch tollkühnen Sprung über die Schlucht gewagt hat, ging der Wilderer als Held in diese Sage ein. Ob er seine Geschichte hernach auch bei einem “Huigarte” zum besten gab, ist nicht überliefert.
Die Sage ist der Kleinen Oberstdorfer Sagenkunde im Oberstdorf Lexikon entnommen.